Montag, 25. April 2011

Eine Theorie bis hin zur Autophobie

Durch seelenerschütternde Ereignisse fällt man zu Boden, man bleibt liegen, die Lust zum Aufstehen hat man schon lange verloren, einen Sinn zum Aufraffen gibt es nicht mehr. Das Leben hat zugeschlagen, es hat oft und hart zugeschlagen, und es hat getroffen. Nun liegt man da... Durch emotionale und kopfzerberstende Schläge beginnt man zu zweifeln. Man zweifelt an dem, was man als ICH den Mitmenschen präsentiert, an dem was dem Schein nach außen die eigene Person ausmacht, schlichtweg zweifelt man an der Maske, an dieser Maske, die man alltäglich trägt, an dieser Maske, an die man nicht einmal im Schlaf gedacht hätte sie abzunehmen. Doch dann...diese Maske, diese Fassade, dieser Schutzschild zerbricht. Man fällt aus der Rolle, die man jahrelang inne hatte, die man täglich verbessert und perfektioniert hat. Maskenlos liegt man da. Diese Maske, die sich sogar dem  eigenen wahren Selbst glaubhaft und zweifellos als wahr darstellte pulverisiert sich. Ab diesem Moment ist alles anders. Alles was man als selbstverständlich annahm, alles was die eigene Sicht der Dinge und die Selbstsicht ausmachte ist zerstört, die Ganzheit der eigenen Ansichten, dieses komplexe Puzzle zersplittert in 1000 kleine Teile, sowie das Abbild in einem zersplitternden Spiegel. Das Innerste wird frei, es relativiert die vorige wahrgeglaubte Weltanschauung und das frühere Selbstbild und ersetzt sie durch eine komplett andere Sicht. Dinge die zuvor als wichtig erachtet waren haben völlig ihren Sinn verloren. Eine Ungewissheit kommt auf. Angst zerberstet den eigenen Geist. Sie pocht von innen an die Schädeldecke, Fragen und wage Vermutungen kommen in einem auf.  Man denkt, denkt und denkt - nur denkt man jetzt alles von Grund auf neu. Verzweiflung an der Richtigkeit des neu Durchdachten durchströhmt die skurrile Psyche. In einem inneren Monolog stellt man dem unbekannten Selbst paradoxe Fragen. Gedankenzüge überrollen die alte und einst so bekannte Sicht der Dinge und die Sicht von sich selbst.
Die Reaktion darauf? Man will die Maske wieder, diese Maske, hinter der man sich nicht einmal selbst ausfindig machen konnte, diese Maske, die einst Logik, Ordnung und Rationalität garantierte, diese Maske die in Wirklichkeit alles Übel der Welt, alles Schmezvolle, alles Angsteinflösende NICHT wiederspiegelte. Die Angst vor unserem wahren Selbst, vor dem eigenen Ich, vor der eigenen  und wahren Person macht sich breit. Möglichenfalls der Unordnung und Unverständlichkeit wegen, oder weil das wahre Ich von Grund auf anders ist als man glaubt zu sein.

Die Maske, diese Maske die uns vor uns selbst beschützt setzt man rasch wieder auf wobei man die Erfahrungen über das eigene wahre Selbst noch kurz reflektiert. Der "alte", dem Selbst wohl bekannten Mensch ist wieder da.Selbstbetrug? Verleugnung des eigenen Ichs? Meiner Meinung schon. Unser Leben ist geprägt von Schönfärberei, Realitätsverleugnung bis hin zu Eskapismus...und das nur aus purer Autophobie. Den Begriff Autophobie verwende ich der griechischen Bedeutung (also übersetzt als "Selbstfurcht") wegen und nicht im Bezug auf die gleichnamige psychische Stöhrung. Man hat Angst von dem eigentlichem Selbst, weil es anders ist. Von Grund auf anders, es ist sogar eine andere Identität, die eigentliche Identität, die userer grausamen Welt nicht standhalten konnte und sich so in die dunklen Tiefen userer Psyche zurückzog und stattdessen eine andere zweite Identität an die Oberfläche stellte. Daraus resultiere das Alter Ego (falls man dies so nennen möchte), die wahre und eigentliche Identität und das Ego, unser Schutzschild, das jedoch dann das Leben an sich aktiv (durch)lebt.

Meiner Theorie zufolge beinhaltet ein Körper/ein Mensch zwei Identitäten. Aber dies ist nicht eine dissoziative Identitätsstöhrung, sondern viel mehr ein von uns selbst notwendig generierter Schutzschild um ein erträgliches Leben überhaupt "normal" führen zu können.

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